Sprechstunde per Videokamera

 

„Richtig eingestellt sein“ – der Ausdruck hat für Parkinson-Kranke eine Doppelbedeutung. Nicht nur müssen sie lernen, mit ihrer unheilbaren Krankheit zu leben, eine richtige Einstellung dazu zu finden; sie müssen auch medikamentös gut eingestellt sein, damit ihre Beschwerden sich in Grenzen halten. Ein Unterfangen, das genaue Beobachtung durch den behandelnden Arzt erfordert und regelmäßig wiederholt werden muss. Damit Patienten dafür nicht jedes Mal tagelang ins Krankenhaus müssen, hat die Koblenzer Firma „Medizinische Videobeobachtung GmbH“ (MVB) ein spezielles Verfahren entwickelt.

Der Patient bekommt für eine Dauer von 30 Tagen eine Videokamera zu Hause aufgebaut, erklärt MVB-Mitarbeiterin Monika Billeb. Mehrmals am Tag schaltet er das Gerät ein, das ihm dann Anweisungen für Übungen gibt und ihn dabei aufzeichnet. „Die Patienten können auch direkt den Arzt ansprechen“, sagt Billeb. Die Aufnahmen werden einmal täglich per Funksender, der ebenfalls mitgeliefert wird, an den behandelnden Arzt übertragen, sodass sich dieser ein genaues Bild von der Bewegungsfähigkeit des Patienten machen kann. Wird er nachmittags steif? Läuft er morgens gut oder schlecht?

So kann der Arzt die Medikamentendosis genau auf die individuellen Bedürfnisse und den häuslichen Alltag des Betroffenen abstimmen. In Brandenburg gebe es bisher etwa zehn Ärzte, die das Verfahren anbieten. Knackpunkt: Bislang tragen nicht alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. „Aber die Zeichen stehen gut, dass sich das bald ändert“, sagt Wolfgang Spickermann, stellvertretender Geschäftsführer der MVB. Mit der AOK, die bislang nicht zahle, sei man im Gespräch. Zudem prüfe der Gemeinsame Bundesausschuss – ein Gremium, dem unter anderem Kassen und Ärzte angehören –, ob das Verfahren in den Katalog der Regelleistungen aufgenommen wird. Fällt die Entscheidung positiv aus, müssten alle gesetz lichen Kassen zahlen