20.11.2014

Interview zum Thema Parkinson auf HELPFM  mit Dr. Ebersbach (Chefarzt in der Parkinson-Klinik Beelitz-Heilstätten) und Kirsten Vesper (Leiterin der Parkinson-Selbsthilfegruppe Potsdam)

 

Thema: Parkinson – Eine unheilbare Nervenkrankheit, die dafür sorgt,

dass die Hände zittern oder die Gelenke versteifen.


 

Parkinson – dass ist neben der Alsheimerdemens eine der häufigsten fortschreitenden Erkrankungen des zentralen Nervensystems im höheren Lebensalter.

Ca. 200.000 Betroffene gibt es zur Zeit in Deutschland.

Bei Parkinson liegt vor allem ein Mangel an dem Nervernbotenstoff Dopamin vor. Dazu kommt es, weil spezielle Nervenzellen im Gehirn nach und nach absterben.

Die Folge sind Bewegungsstörungen mit dem typischen Symthom der Parkinsonkrankheit Beweguingsarmut bis hin zur Bewegungsstarre, Zittern sowie eine instabile Körperhaltung.

Eine Heilung ist bisher nicht möglich. Jedoch gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die das Fortschreiten dieser Erkrankung hinauszögern.

Hierzu haben wir mit Dr. Georg Ebersbach gesprochen. Er ist Chefarzt der Parkinsonklinik in Beelitz-Heilstätten.


HelpFM: Was kann die Medizin gegen Parkinson machen ?

Dr. Ebersbach: Grundsätzlich kann man sagen, dass es sowohl auf dem Weg der medikamentösen Therapie als auch natürlich durch körperliches Training Möglichkeiten gibt dem Parkinson entgegenzuwirken.

Eine wirksame medikamentöse Therapie gibt es inzwischen seit 50 Jahren. Sie beruht im Wesentlichen darauf, dass man den fehlenden Botenstoff Dopamin durch Medikamente ersetzt, was auch bei den Patienten in der Regel eine starke Wirkung hat.

Langfristig gesehen können die Medikamente aber nicht allein die Symthome ausreichend unter Kontrolle halten, sondern es gehört dann auch eine regelmäßige und intensive Übungstherapie dazu.

 

HelpFM: Die Bewegungs- und Übungstherapie spielt eine große Rolle ?

Dr. Ebersbach: Es fängt damit an, dass man weiß, dass Menschen, die regelämäßig Sport treiben, ein geringeres Risiko haben an Parkinson zu erkranken. Aller Wahrscheinlichkeit nach kann man, wenn man neu an Parkinson erkrankt ist, das Fortschreiten der Krankheit bremsen, indem man regelmäßig und intensiv trainiert.

Wenn doch schon Behinderungen eingetreten sind, kann man denen nicht nur mit Medikamenten sondern auch mit Training entgegenwirken.


HelpFM: Gibt es hier spezielle Trainingsgruppen im Haus oder kann man normale Trainingsgruppen aufsuchen ?

Dr. Ebersbach: Das kommt auf das Krankheitsstadium und die Probleme an.

Wenn keine schwerwiegenden Krankheitssymthome vorliegen, dann kann z.B. Reha-Sport oder Nordic Walking eine gute Sache sein. Da muß es nicht so sehr spezialisiert sein.

Manche Selbsthilfegruppen bieten auch Sport an.

Wenn speziefische Probleme auftauchen, wie Gleichgewichtsstörungen, Blockierungen beim Laufen, dann ist doch eine individuelle gezielte Physiotherapie wichtig.

Nicht alle Physiotherapeuten kennen sich mit Parkinson gut aus. Da ist es gut, wenn man sich in den Selbsthilfegruppen austauscht, welche Therapeuten besonders geeignet sind oder welche Kliniken das Programm anbieten.


HelpFM: In Potsdam gibt es eine Selbsthilfegruppe, die Frau Vesper leitet ?

Dr. Ebersbach: Ja richtig und diese ist auch sehr aktiv.


HelpFM: Sind nur Menschen mittleren und fortgeschrittenen Alters von Parkinson betroffen, oder wird diese Erkrankung auch schon bei jüngeren Menschen diagnostiziert ?

Dr. Ebersbach: Das typische Erkrankungsalter ist Mitte 50 bis Mitte 60. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Patienten die vor dem 50.Lebensjahr erkranken. In noch selteneren Fällen erkranken Menschen sogar schon vor dem 40. Lebensjahr.


HelpFM: Welche Symthome treten bei Parkinson auf ?

Dr. Ebersbach: Die kleinere Schrift kann ein Frühsignal sein.

Dann kann Zittern ein Erstsignal sein, wobei man einschränkend sagen muß, dass die meisten Menschen, die zittern kein Parkinson haben und auch nicht alle Menschen, die Parkinson haben zittern.

Verlangsamtes Gehen, ein vermindertes Pendeln eines Armes beim Laufen wären z.B. auch Frühsymthome.


 

Die Parkinson-Klinik in Beelitz-Heilstätten bietet eine speziell abgestimmte Versorgung für Patienten mit Morbus-Parkinson und anderen Bewegungsstörungen an. Die Parkinson-Klinik in Beelitz-Heilstätten kümmert sich um Patienten, die an Parkinson leiden. Dabei gibt es besondere Schwerpunkte.


 Dr. Ebersbach: Wir sind ein Krankenhaus, also keine Reha-Klinik im eigentlichen Sinne. Wir bieten aber doch ein intensives Reha-Programm an.

Unsere Patienten bekommen in der Regel eine Komplexbehandlung. Die beinhaltet die Einstellung mit Medikamenten, aber parallell dazu auch intensive Bewegungstherapien.


 

HelpFM: Welche Rolle spielt der “Schrittmacher” für Parkinson-Patienten ?

Dr. Ebersbach: Das Problem bei der Medikamententherapie ist, dass bei langjähriger Anwendung die Medikamente oft ungleichmäßig wirken.

Das heißt, der Patient hat nur noch stundenweise eine gute Wirkung der Medikamente und dann verfällt er wieder in viel stärkere Symthome.

In solch einer Situation kann ein Hirnschrittmacher helfen, immer unter der Voraussetzung, dass die Medikamente immer noch anschlagen, aber eben nicht gleichmäßig genug.

Beim Hirnschrittmacher werden Elektroden im Gehirn eingepflanzt, über die Strom geleitet wird.

Dieses Einleiten von Strom führt dazu, dass die Parkinsonsymthome unterdrückt werden.

Diese Methode ist nicht für jeden Patienten geeignet. Es sind besonders die jüngeren Patienten, für die es eine besonders gute Option darstellt.

Wir haben hier in der Klinik auch immer wieder Patienten, die einen Stimmulator haben oder bekommen.

Wir bauen diese hier nicht selber ein, aber wir machen die Vor- und Nachbetreuung.


 

HelpFM: Können Sie uns noch einiges zum Stand der Forschung zur Behandlung von Parkinson sagen ?

Dr. Ebersbach: Geforscht wird zum einen sehr stark an den Ursachen von Parkinson,

Man versteht heutzutage schon viel besser, was in den Nervenzellen passiert. Man hat herausgefunden, dass es vor allem Eiweißabbauprodukte sind, die sich in Nervenzellen aufstauen und man hofft durch die Kenntnis diese Mechanismus auch bald an die Bekämpfung der Ursache dieser Krankheit herangehen zu können mit Therapien.

Ein anderes wichtiges Forschungsthema ist die Früherkennung. So weiß man mitterweile, dass bevor im Gehirn erste Veränderungen auftreten, schon in der Darmschleimhaut und in der Riechschleimhaut Veränderungen auftreten, die man erkennen kann bevor Parkinson neurologische Symthome hervorruft.

Man ist auch bei Medikamenten dabei, nach neuen Wegen zu suchen, um nicht nur die Symthome sondern auch die Ursache dieser Krankheit behandeln zu können.


 


Morbus-Parkinson. Diese Diagnose löst bei Betroffenen und ihren Angehörigen oft Angst, Bestürzung und Befürchtungen in Bezug auf einen schleichenden Verlust motorischer Fertigkeiten aus.

Frau Vesper (selbst Betroffene) leitet die Parkinson-Selbsthilfegruppe in Potsadm, welche es seit 1992 gibt.


 

HelpFM: Wie funktioniert solch eine Selbsthilfegruppe ? Was ist dran an dem Klischee: “ Alte Leute sitzen im Kreis und erzählen nur über ihre Krankheit “ ?

Frau Vesper: Ja, in unserer Selbsthilfegruppe befinden sich überwiegend alte Leute. Die Gruppe hat ein Durchschnittsalter von 70 Jahren.

Im Kreis sitzen wir nicht. Wir trinken gemeinsam Kaffee und organisieren fast zu jedem Gruppentreffen einen Vortag zu Themen wie z.B. Logopädie oder Ergotherapie.

Über die Krankheit wird kaum geredet. Bei Neumitgliedern erkundigt man sich natürlich über seinen Krankheitszustand. Man tauscht sich hin und wieder über Erfahrungen bei der Behandlung der Krankheit aus, weil jeder unserer Mitglieder, oder zumindest die meisten, von unterschiedlichen Ärzten bzw. Physiotherapeuten betreut werden, bedingt durch den jeweiligen Wohnort.


 

HelpFM: Parkinson ist eine unheilbare Krankheit und hat auch viele Gesichter.

Können Sie uns einiges zu den Anzeichen dieser Krankheit sagen ?

Frau Vesper: Ich habe bei mir die ersten Anzeichen dieser Krankheit garnicht gemerkt.

Ich habe allerdings festgestellt, dass ich die Arme beim Laufen nicht richtig bewegt habe und irgendwie langsam steif wurde.

Die Feinmotorik und das Schriftbild werden schlecht. Man bekommt z.B. das Kleingeld nicht mehr so einfach aus dem Portmonaise heraus.

Man fühlt sich bei diesen Bewegungsstörungen beobachtet.

Bei mir hat meine Schwester die ersten Anzeichen dieser Krankheit bemerkt.

Sie war es auch, die einen Termin beim Arzt machte und mich zu ihm schickte, da ich diese Anzeichen bei mir irgendwie verdrängte oder vieleicht auch nicht ernst genug nahm.


 

HelpFM: Werden die Parkinson-Patienten medizinisch gut betreut ? Wie sind da Ihre Erfahrungen ?

Frau Vesper: Das kommt sicherlich auf den Arzt an. Ich denke, im Großen und Ganzen werden sie gut betreut.

Die Medikation, denke ich, ist sehr schwierig, weil jeder seinen “ eigenen Parki “ hat. Jede Parkinsonerkrankung hat ein anderes Gesicht. Man kann die Erkrankungen nicht miteinander vergleichen.


 


Die Erfahrung aus der Betreuung zahlreicher Parkinson-Patienten und ihrer Angehörigen lehrt, dass eine gute Aufklärung über diese Krankheit ein wichtiges Standbein in der Behandlung selbst ist.

Was kann die Politik dabei machen ? Wie wichtig ist Öffentlichkeitsarbeit und was kann eine Tanztherapeutin Positives bewirken ?


 


Frau Vesper: Es wäre ganz gut etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, die Öffentlichkeit besser über diese Krankheit aufzuklären. Zu den ersten Anzeichen dieser Krankheit gehören auch Gleichgewichtsstörungen, wo der Aussenstehende denkt man sei betrunken.


 

HelpFM: Sind Geruchs- und Geschmacksstörungen erste Anzeichen der Parkinsonkrankheit ?

Frau Vesper: Ja, Geruchs- oder Geschmacksstörungen können erste Anzeichen der Parkinsonerkrankung sen. Muss aber nicht bei jedem auftreten,


 

HelpFM: Es finden Tanzstunden der Tanztherapeutin, Frau Neumayer, mit Parkinson-Betroffenen statt. Wie muss man sich das vorstellen ?

Frau Vesper: Die Tanztherapeutin, Frau Neumayer, kommt aus Berlin.

Eine Tanzstunde dauert 90 Minuten. Sie beginnt immer mit Bewegungsübungen, ca 45 Minuten, wobei sich die Teilnehmer im Kreis aufstellen und Übungen zur Festigung des Gleichgewichtes und zur Beweglichkeit durchführen.

Im zweiten Teil der Tanzstunde werden, je nach Wunsch der Teilnehmer, Standardtänze einstudiert und getanzt.

Da die Teilnehmer in der Selbsthilfegruppe Ludwigsfelde etwas jünger sind als in der Selbsthilfegruppe Potsdam, werden in Ludwigsfelde regelmäßig Standardtänze einstudiert und getanzt.

Das Interesse an Standardtänzen ist in Potsdam, aufgrund des höheren Alters und der einhergehenden schlechteren Beweglichkeit, nicht ganz so groß.

Trotzdem wird auch hier getanzt.

Hier werden eben nach Interesse mehr Gemeinschaftstänze mit sehr viel Spaß durchgeführt.

Die Tanzstunde wird sehr gut von den Mitgliedern der Gruppe angenommen.

Die Tanzstunden müssen natürlich auch finanziert werden.

Hier haben wir einen starken Partner, die AOK NORDOST, an unserer Seite, der das Projekt “ Tanzen mit Parkinson “ finanziert.


 

Michael J. Fox, der amerikanische Schauspieler, kämpft seit 23 Jahren gegen Parkinson. Er hat gelernt mit der Krankheit zu leben. Aber wie viele andere Betroffene hat er Hoffnung, dass die bis jetzt unheilbare Krankheit mit Hilfe des medizinischen Fortschrittes einmal besiegt werden kann.