Brandenburg hat 20 Selbsthilfegruppen für Parkinsonkranke

Selbsthilfegruppe – das Wort löst bei vielen Vorurteile aus: Stuhlkreis, Selbstmitleid. Bei der Potsdamer Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung ist das anders. Man trifft sich, um die Krankheit zu verstehen, um sich zu helfen, sich auszutauschen. Die MAZ war bei einem Treffen dabei.

Kirsten Vesper, Leiterin der Regionalgruppe Potsdam des Vereins Deutsche Parkinson Vereinigung.

 

Potsdam . Eine Dreiviertelstunde ist rum, doch die Gesichter bleiben skeptisch. Monika Billeb steht vor 20 parkinsonkranken Menschen im „Haus der Begegnung“ in Potsdam. Sie arbeitet für eine Firma, die ein System zur ambulanten Betreuung von Parkinsonpatienten per Video entwickelt hat, das sie jetzt vorstellt.

„Was halten Sie davon?“, fragt sie ihre Zuhörer. „Wir sind überwältigt“, sagt eine Frau schmunzelnd.

Es ist Mittwoch kurz nach 15 Uhr, ein Treffen der Regionalgruppe Potsdam der Deutschen Parkinson Vereinigung (DPV). Die Selbsthilfegruppe hilft Betroffenen der neurologischen Erkrankung, die die  Hände zittern oder die Beine steif werden lässt. Selbsthilfegruppe – das Wort löst bei vielen Vorurteile aus: Stuhlkreis, Selbstmitleid. Nichts davon findet man hier im Haus der Begegnung, stattdessen kritische, selbstbestimmte Menschen, die ihre Krankheit besser verstehen und sich darüber austauschen wollen.

„Wir treffen uns einmal im Monat“, erzählt Kirsten Vesper (58), die die Gruppe seit Anfang 2012 leitet. Wenn es kein Vortrag über eine Videotechnik ist, dann geht es um Pflegestufen, oder die Therapie in der Fachklinik Beelitz-Heilstätten oder eine neue Behandlungsmethode. Aber auch Geselligkeit steht auf dem Programm. Neulich hat sich die Gruppe zum Grillen bei Vesper getroffen.

„Es tut einfach gut, sehr gut“, sagt Christel Eggert, die seit 2008 dabei ist. Für Außenstehende, Nicht- Erkrankte sei es manchmal schwer, zu verstehen, was in einem Parkinson-Patienten vorgeht. „Diese Unruhe zum Beispiel und dass die Konzentration so schnell weg ist...“ Hier funktioniere die Kommunikation oft ohne viele Worte. „Und wenn ich sehe, wie es anderen geht und wie die versuchen das zu meistern, bin ich bestrebt, das auch so zu machen“, sagt Christel Eggert.

Etwa 400 Mitglieder hat die DPV in Brandenburg, rund 20 Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen unterhält der Verein im Land. Weitere Selbsthilfegruppen für Parkinson-Kranke organisieren etwa die Wohlfahrtsverbände. „Wir sind für jeden offen“, sagt der DPV-Landesbeauftragte Peter Huschke. Für Betroffene sei der Austausch ebenso wichtig wie für Angehörige. Wenn der Partner plötzlich böse guckt, weil seine Mimik infolge der Krankheit erstarrt, sei es wichtig, dass sie darauf vorbereitet sind. „Es ist außerdem ein gutes Gefühl, anderen zu helfen“, so Huschke. Aber es sei schwierig, ehrenamtliche Leiter für die Gruppen zu „rekrutieren“.

Bei Kirsten Vesper hat er es mit etwas Forschheit geschafft: „Ich war einmal bei der Selbsthilfegruppe in Ludwigsfelde, da fragte mich Herr Huschke, ob ich nicht die Gruppe in Potsdam übernehmen will“, erzählt sie. „Ich bin dann einmal hingegangen – und plötzlich war ich die Leiterin.“ Im Nachhinein das Beste, was ihr passieren konnte, sagt Vesper. Schon in der kurzen Zeit habe sie viel dazugelernt und an andere weitergegeben. „Das baut einen total auf.“ Bekannte hätten ihr gesagt, dass sie sich sehr zum Positiven verändert habe, seit sie die Gruppe hat. „Man wird selbstbewusster und wächst daran.“ Otto Meyer, der die Gruppe vor Vesper 20 Jahre lang geleitet hat, weiß, wovon sie spricht: „Für mich war das wie eine Therapie“, erzählt der 75-Jährige. Er denke da immer an diesen Spruch von Goethe: „Wer nichts für andere tut, der tut auch nichts für sich.“

Das Treffen neigt sich dem Ende zu. Kirsten Vesper bespricht ein paar Termine fürs nächste Jahr: ein Ausflug ist geplant, ein Computerkurs und ein Tai-Chi-Kurs. Für Selbstmitleid bleibt da wenig Zeit.

Von Angelika Pentsi